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Sonntag, 16. August 2015

Im Klassenzimmer: Lehrerpflichten und Berufsfrust

  • Ein älterer Text aus den Osterferien (ich vergas anscheinend ihn zu veröffentlichen)
Bereits in einem meiner letzten Posts ging es um Herrn XY - meinen Deutschlehrer.
Schon damals hatte er wenig Motivation mit uns richtigen Unterricht zu machen.
Zu meinem großen Bedauern hat sich das fortgesetzt. Wir sind jetzt in der Mitte des zweiten Halbjahres angelangt und er weigert sich noch immer strikt mit uns Texte zu schreiben.
Ich kann ihn einfach nicht verstehen. Es ist so unfair - niemand kann etwas dafür, dass er seinen Beruf hasst - das gibt ihm doch kein Recht das an uns auszulassen - wir wollen doch Leistung bringen - aber wenn er uns keine Chance dazu gibt, was sollen wir dann bloß machen?  

Am Tag des diesjährigen Deutschabiturs, sprachen die übrigen Deutschlehrer mit ihren Klassen über den Stoff, der sie bis zu ihrem eigenen Abitur noch erwarten würde und über den weiteren Verlauf der verbleibenden Schuljahre. Sie wollten sie motivieren und versicherten ihnen, dass das Abitur mit der richtigen Vorbereitung durchaus gut zu meistern sei.  

Was machte Herr XY? Er kam eine halbe Stunde zu spät - danach ließ er sich endlos darüber aus, wie langweilig er diesen ganzen Abiturszirkus inzwischen finde. Er habe in seiner Zeit als Lehrer schon so viele Deutsch Abis korrigiert, dass ihm das alles inzwischen auf die Nerven ginge.
Ich hätte schon wieder platzen können!!!! Nicht nur, dass wir mit dem Stoff im Vergleich zu den anderen Kursen meilenweit hinterher hinken - er lässt schon wieder eine ganze Unterrichtsstunde sausen. Wenn das ein Einzelfall wäre, von mir aus - aber jedes Mal, wenn er grad keinen Bock hat, labert er eine ganze Stunde lang solchen Scheiß an uns hin. 

Er verlor sich immer weiter in Selbstmitleid und erzählte uns, dass er schon am Tag seiner Verbeamtung ausgerechnet habe, wie viele Tage er, abzüglich Ferien und Wochenenden, noch bis zu seiner Pensionierung zu arbeiten hätte. (Da fühlt man sich als Schüler natürlich sofort gut aufgehoben und wertgeschätzt)
Dann ließ er uns ausrechnen, wie viele Abitur Klausuren er noch bis zu seiner Pensionierung zu korrigieren hätte, jammerte noch ein bisschen über die Zahl und verdünnisierte sich dann wieder.

 Die Deutschstunde die darauf folgte setzte dem ganzen noch die Krone auf.  

Er eröffnete uns, dass es sich um die letzte Stunde vor der Klassenarbeit handle. Dabei machte er sich noch gehörig über unsere geschockten Gesichter lustig. Er kam sich ja soooo toll dabei vor. Er machte daraus regelrecht eine Show  - wir wussten zu Anfang gar nicht was er von uns wollte - als uns dann endlich klar wurde, was er uns da sagte - freute er sich wie ein kleines Kind.
Wir waren alle total baff, da wir nicht das Gefühl hatten, seit der letzten Klausur etwas gelernt zu haben.  

Ich: "Herr XY - wir haben schon wieder keinen einzigen Text geschrieben. Wenn überhaupt, dann haben wir nur einen geschrieben - und den haben wir nicht besprochen. Wir fühlen uns einfach unsicher und nicht gut vorbereitet." 

Er: "Ihr könnt mir doch nicht erzählen, dass wir nichts gemacht haben. Ich habe euch ganz viele Stiltipps gegeben. Wir haben ganz viel mündlich interpretiert und wir haben darüber gesprochen, was einen guten Text ausmacht." 

Ich: "Ich will ja gar nicht ihren Unterricht kritisieren(doch eigentlich schon(hehe), er soll bloß denken, dass ich noch so etwas wie Respekt vor ihm hätte). Die Theorie die sie mit uns machen ist ja auch gut. Es nutzt nur die beste Theorie nicht, wenn wir nie üben können sie in die Praxis umzusetzen. Wenn wir die Theorie immer nur in den Klausuren in die Praxis umsetzen, werden wir einfach unsicher." 

Er: "Ja aber Leute - was habt ihr denn die letzten Jahre gemacht? Ihr solltet das alles doch schon können. Was ich verlange ist doch nicht mein persönliches Niveau - das ist vom Kultusministerium vorgegeben." 

Ich: "Herr XY - wir können doch nichts dafür, dass wir nicht angemessen vorbereitet wurden. Am Beispiel Erörterung: Die letzte die ich vor der Kursstufe geschrieben habe, war zwei Seiten lang - das war in der 9. Klasse. Jetzt verlange sie von uns 6-9 Seiten. Das ist ein Niveausprung bei dem wir so einfach nicht mitkommen. Sie müssen uns einfach die Chance geben Texte zu schreiben. Es tut ihnen doch nicht weh, wenn sie uns das als Hausaufgabe aufgeben und wir es dann im Unterricht besprechen. Dann könnten wir alle von unseren gegenseitigen Fehlern lernen." 

Er: "Nein - nein ich sehe das einfach nicht ein. Wieso sollte ich meine Lebenszeit damit verschwenden, euch Hausaufgaben aufzugeben, die ihr dann sowieso nicht macht." 

HALLO!!!! Geht´s noch? Erstens kostet es ihn doch keine Lebenszeit uns Hausaufgaben zu geben und zweitens: Wenn er uns noch nie was aufgegeben hat - woher will er das wissen? Wir wollen alle unser Abitur - wir wissen alle um was es geht - wir würden die Hausaufgaben schon machen.  

Eine Mitschülerin, die noch eine Frage bezüglich der Klassenarbeit hatte, hatte das Pech ein volle Ladung seiner seltsamen Laune abzubekommen. Er drängte sie unablässig in die Enge, in dem er ihr Fragen stellte, dehnen sie augenscheinlich nicht gewachsen war - nur mit dem Ziel, ihr klarzumachen, dass ihre Frage völlig idiotisch sei. Sie hatte nur wissen wollen, was man beim Zusammenfassen eines Textes beachten müsste.

Als er mit ihr fertig war, war sie völlig verstockt, verunsichert und den Tränen nahe.
Sie ist eigentlich super taff und cool - jetzt war sie kurz davor zu weinen. Ich war richtig geschockt. War ihm nicht aufgefallen was mit ihr los war? Hatte er das etwa mit Absicht gemacht?

Ich war sooooo sauer. Ich war selber kurz davor zu weinen. In der Stunde davor hatte ich besagten Streit mit meiner Direktorin gehabt - und jetzt hatte ich eine ganze Stunde dafür gekämpft endlich mal richtigen Deutschunterricht zu machen - ,mit dem Ergebnis, dass mein Deutschlehrer fast eine Mitschülerin zum Weinen gebracht hatte. 

Gegen Ende meinte er dann, dass seine Erwartungen an die Klasse bisher vielleicht zu hoch gewesen warn - er würde erwägen in Zukunft mehr Texte mit uns zu schreiben.
Halleluja!!! Und er braucht fas ein Schuljahr um festzustellen, dass seine Erwartungen zu hoch sind. Naja, wenigstens scheint er eingesehen zu haben, dass wir mit seiner Art zu unterrichten nicht weiterkommen.  

Nach dem die Stunde vorbei war, winkte er mich Beiseite:  

"Vivien, es ist nicht so, dass wir nicht üben würden - wir üben genug. Die Leistungsfähigkeit des Kurses ist einfach nicht besonders hoch. Ich habe mir die Noten der vergangenen Jahre angesehen - und ich muss sagen ich war entsetzt. Bei den Noten mach bestimmt keiner Hausaufgaben."
Ich war baff - jetzt hatte ich eine Erklärung für sein Verhalten. Er ist sauer, dass er den schlechtesten Deutschkurs hat und denkt, dass alle seine Anstrengungen, an so schlechte Schüler, ohnehin verschwendet wären.
Mir ist durchaus klar, dass mein Deutschkurs schwach ist - aber genau das sollte doch eine Motivation sein mit uns guten Unterricht zu machen. Die meisten von uns sind wirklich motiviert sich anzustrengen - würde er sich Mühe geben, könnte er aus den meisten von uns wirklich was rausholen.
Aber was macht er? Er jammert über verschwendete Lebenszeit, vergeudet seine Unterrichtsstunden mit Gejammer und lässt und ausrechnen wie viele Arbeiten er noch bis zu seiner Pensionierung korrigieren muss. 

Ich bin einfach so sauer!!!! Es ist so UNFAIR!!!!, dass er uns einfach so unser Abitur versauen darf. Nicht nur, dass ich einen Mathelehrer habe, der sich weigert vor dem Abitur den Stoff mir uns zu wiederholen, weil er das nicht zu seinen Aufgaben zählt(nein - Unterricht machen war ja noch nie die Aufgabe von Lehrern) - ich habe auch noch einen Deutschlehrer, der es für unter seiner Würde hält uns etwas beizubringen!!! - Ich will einfach nicht mehr - ich weiß nicht was ich machen soll - ich kann nämlich nichts tun.

Meine Mitschüler wollen sich, aus Angst vor seiner Reaktion, nicht bei unserer Rektorin über ihn beschweren - und ich bezweifle auch stark, dass das etwas bringen würde.
Nachdem ich mich so mit ihr gestritten habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie mir alleine zuhören würde. Außerdem hab ich Angst wie Herr XY reagiert - wenn er sauer wird uns seine Wut ans uns auslässt, hab ich auch noch Ärger mit meinen Mitschülern.
Ich habe gerade Osterferien - aber je näher das Ende der Ferien rückt, umso unruhiger und wütender werde ich. 
Ich hab ja versucht auszublenden was an meiner Schule alles schiefläuft, aber ich kann nicht. Es entspricht nicht meinem Charakter wegzuschauen - ich kann einfach nicht.

Mir ist bewusst, dass ich mir das Ganze nicht so zu Herzen nehmen sollte. Würde ich ihm weniger Bedeutung beimessen, würde es mich auch nicht so belasten. Meine Zukunft ist mir aber wichtig. Ich möchte ein gutes Abitur machen. Ich will doch nur die Chance mein Bestes zu geben. Wie aber soll das bitte möglich sein, wenn meine Lehrer ihr Bestes geben mir diese Chance zu nehmen.  

Okay - das war jetzt sehr ich-bezogen. Eigentlich will ich ja reflektiert und objektiv berichten - aber ich weiß einfach manchmal nicht wohin mit meinem Frust. 

Es wird sich nichts ändern.
Nicht solange ich noch auf der Schule bin und auch nicht so lange es meine Schwester noch ist.
Es wird nur immer mehr Reformen und Umstrukturierungen geben  - dieselben selbsternannten Experten werden ihre Meinung kundtun. Sie werden alle ja ach so genau wissen, was für uns Schüler das Beste sein soll.
Wir werden keine Fächer mehr lernen sondern sogenannte "Kompetenzen".
Und wenn dann ein paar mehr Schüler wegen Burn-Out in die Klapse müssen, wird es auch weiterhin keine Sau interessieren.
So wie es übrigens auch keinen interessiert, dass meine Schule in Baden-Württemberg, in den Statistiken des Kultusministeriums, wenn es um Burn Out und nervliche Zusammenbrüche der Schüler geht, ganz weit vorne mit dabei ist(hat uns eine Seelsorgerin erzählt, die wegen eines "Zwischenfalls" an unserer Schule war). Aber wen juckt das schon - so lange nur der Bildungsplan erfüllt wird und das Doppelstundensystem endlich steht. Dann ist der schöne Schein gewahrt und alle können zufrieden sein.  

Wenn man sich nur nicht mit unbequemen Problemen rumschlagen muss.

Donnerstag, 9. April 2015

Im Klassenzimmer: Demütigungen als Strafe

Nachdem ich in meinem letzten Post von einem "Gefühl der Ohnmacht" gesprochen habe, wollte ich heute an einem Beispiel schildern, was ich damit meine:

Das Ereignis das mich heute beschäftigt, ist ein Paradebeispiel für das gestörte Schüler-Lehrer-Verhältnis, welches leider an meiner Schule herrscht.
Schüler, die Lehrer kritisieren oder Forderungen stellen, werden nur zu oft vor der ganzen Klasse systematisch aufs Glatteis geführt oder in eine außenseiter Position gedrängt:
Das heutige Beispiel ist trotzdem ein Härtefall.


In einer Deutscharbeit hatten viele Schüler der betreffenden Klasse die Anredepronomen recht häufig falsch geschrieben. Schüler bei dehnen sich die Fehler gehäuft hatten, hatten die Wahl entweder eine Extrastunde zum Üben in der Schule zu bleiben, oder Frau SZ. einen Brief zu schreiben.
In diesem Brief sollten sie Frau SZ. mitteilen, ob und wie sie mit ihrer Arbeit als Klassenlehrerin zufrieden sind.

Ein Schüler (im Weiteren Max genannt), der bereits im Vorfeld einige Diskrepanzen mit Frau SZ. gehabt hatte, kritisierte sie ziemlich heftig. Er schrieb, dass er die Art wie sie mit der Klasse umgehe, für nicht in Ordnung halte. Er komme mit ihr persönlich auch nicht gut zurecht, und er wolle sie aus diesen Gründen im nächsten Schuljahr auch nicht mehr als Klassenlehrerin haben. Seine Ausdrucksweise war dabei sicher nicht die Feinste.

Er verwendete auch einige Kraftausdrücke und brachte sehr deutlich zum Ausdruck, dass er ihren Unterricht Wort wörtlich scheiße finde. (Verdenken kann ich es ihm, auf Grund persönlicher Erfahrungen, nicht)

Im nächsten Klassenrat zog Frau SZ. dann prompt die recht fragwürdigen Konsequenzen.

Frau SZ.: "Also der Max hat mir einen Brief geschrieben. Max darf ich ihn vor der Klasse vorlesen?"

Max: "Nein bitte nicht."

Frau SZ.: "Nein, nein ich finde der sollte vorgelesen werden!"

Max: "Nein bitte nicht - bitte lassen sie es Frau SZ. - ich möchte das nicht!"

Frau SZ.: "Nein, ich lese ihn jetzt vor der Klasse vor!"

Sie hat ihn vorgelesen. Egal mit welcher pädagogischen Intention sie gehandelt hat, sich so über den Ausdrücklichen Willen eines Schülers hinwegzusetzen ist einfach respektlos. Ich kann es eigentlich immer noch nicht fassen, dass sie das tatsächlich gemacht hat.

Weiter im Text:

Sie legte den Brief in die Mitte des Stuhlkreises:

Frau SZ.: "Ja Leute was sagt ihr jetzt dazu?"

Schweigen - die Klasse war erstmal baff und wusste auch gar nicht wie sie mit der Situation umgehen sollte.

Nach anfänglichem Zögern meldeten sich einige Schüler:

"Ja Max; was du da geschrieben hast war schon nicht in Ordnung. So kann man des eigentlich nicht schreiben mit dem ganzen Scheiße und so"

Trotzdem war der Klasse nicht klar, was Frau SZ. eigentlich von ihnen wollte.

Maria: "Frau SZ.  - was wollen sie jetzt eigentlich von uns? Wollen sie, dass wir den Inhalt bewerten? Wollen sie, dass wir die doch recht derbe Grammatik bewerten? Sollen wir unsere Meinung zu diesem Thema sagen - ob wir sie nächstes Jahr auch wieder als Klassenlehrerin haben wollen? Wollen sie wissen ob wir Max zustimmen? Was wollen sie von uns?"

Frau SZ.: "Maria - ich will einfach eure Meinung dazu hören."

Maria: "Also grundsätzlich Frau SZ., stimme ich dem Max zu. Ich sehe das relativ genauso wie er und ich verstehe nicht ganz, wieso sie diesen Brief vorgelesen haben. Sie hätten uns auch so fragen können, ob wir sie nächstes Jahr noch als Klassenlehrerin haben wollen. Sie hätten Max jetzt nicht so vor der Klasse bloßstellen müssen."

Max war in der zwischen Zeit zu einem krebsroten Häuflein Elend, auf seinem Stuhl zusammengesunken.

Inzwischen kritisierte die Klassen, angestachelt von Frau SZ., Max weiter.

Maria: "Wenn das Max´ Meinung ist, dann ist das Max´ Meinung!"

Danach ließ Frau SZ. Maria praktisch gar nicht mehr zu Wort kommen. Sie trieb Max immer weiter in die Enge. Sie fragte ihn mehrfach, ob es in Ordnung gewesen sei diesen Brief zu schreiben. Max war inzwischen noch röter und wusste überhaupt nichts mehr zu sagen.

Maria: "Frau SZ. - an sich denke ich, dass es in Ordnung war, dass er diesen Brief geschrieben hat. Er hat seine Aufgabe erfüllt und lediglich seine Meinung geäußert. Manches hätte man anders formulieren können aber an sich war es richtig. An sich war daran nichts verwerflich."

Am Ende fragte Maria erneut, warum Frau SZ. diesen Brief jetzt vorgelesen hätte und warum sie das Thema nicht normal ansprechen könne. Sie fragte warum sie Max jetzt durch die Kommentare der Klasse dafür bestrafe, dass er diesen Brief geschrieben hatte.

Frau SZ.: "Maria das mache ich doch gar nicht."

Maria: "Aber sie wollten doch, dass wir im Prinzip darüber urteilen, ob das was Max gemacht hat, gut oder schlecht war."

Damit war das Thema gegessen  - man kann sich denken, dass Frau SZ. Maria danach noch mehr auf dem Kicker hatte als davor.
Im Nachhinein stellte sich dann heraus, dass die Klasse durchaus auf Max´ Seite gewesen war. Die meisten hatten aber, aus offensichtlichen Gründen, Angst gehabt gegen Frau SZ. den Mund auf zu machen.

Was sich da abgespielt hat war sicher relativ extrem. Im Kern läuft es an unserer Schule aber ständig so. Wenn wir Schüler versuchen Lehrer dazu zu bringen mit ihrem Unterricht etwas auf unsere Bedürfnisse einzugehen, oder wir sie nur Fragen, ob wie ein bestimmtes Thema noch etwas vertiefen könnten - sie reagieren oft gleich: Sie versuchen den entsprechenden Schüler vor der Klasse vorzuführen und ihn am besten noch unbeliebt zu machen.

Genau solche Situationen meinte ich, als ich in meinem letzten Post meiner Direktorin dieses "Klima der Ohnmächtigkeit" beschrieb.
Nur die wenigsten vertragen so eine oben beschriebene Klatsche auch nur einmal - geschweige denn mehrmals.
Vor solchen Reaktionen haben die meisten meiner Mitschüler Angst.

Man kann gegen solches Verhalten nicht viel machen - besonders wenn man erkennen muss, dass nicht einmal die Direktion Wert darauf legt wie es uns geht.

Ich hege trotzdem die Hoffnung, dass irgendwann eine Lawine anrollt und immer mehr Schüler über die strapaziösen Abläufe in unserem Schulsystem sprechen - damit sich vielleicht doch irgendwann etwas ändert.



PS: Bei Frau SZ. handelt es sich übrigens um die Lehrerin, die meine Schwester, wie HIER beschrieben, wegen ihren Fehltagen und Zugausfällen, unter Druck gesetzt hatte.

*Alle Namen von Schülern und Lehrern sind natürlich wieder abgeändert - der Artikel basiert auf von mir aufgezeichneten Schilderungen der betroffenen Schüler

 

Samstag, 28. Februar 2015

Im Klassenzimmer: Lehrerpflichten


Vorneweg:

Ich besuche inzwischen die Kursstufe, keine Klassenverbände mehr. Unsere Deutschlehrer sind jetzt unserer Tutoren - sie sollen den Klassenlehrer ersetzten.  

Der folgende Monolog entstand aus der Diskussion heraus, ob ein Schüler das Recht hat, eine Klausur nachzuschreiben.
Unser Deutschlehrer hatte gerade verkündet, dass er nie jemanden nachschreiben lassen würde. Da wir in seinem Unterricht fast nie etwas aufschreiben und noch NIE einen Text geschrieben haben, wie wir in ihn den Arbeiten schreiben müssen, war ich verärgert. Wir bekommen außerhalb der Arbeiten keinerlei Rückmeldung zu unserem Schreibstiel und ich fand es unfair, dass er uns nur weil wir krank sind die einzige Verbesserungsmöglichkeit, die wir auf Grund seinen Unterrichts haben, verweigert.


Er reagierte ziemlich gemein und trotzig:  

Ich:

"Aber Herr XY. - wir schreiben ja im Unterricht nichts - die Arbeit ist die einzige Rückmeldung die wir kriegen. Was ist wenn jemand die Arbeit nachschreiben will?" 

Herr XY.:

"NEIN - Nein ich lass ihn nicht nachschreiben. Er hat sich ordnungsgemäß entschuldigt und es liegt im Ermessen des Lehrers ob er nachschreiben lässt - und ich sehe nicht ein, warum ich mir die Arbeit machen soll.
Eine neue Deutscharbeit zu kreieren kostet mich 5 Stunden und ich sehe es einfach nicht ein. Es wird sowieso viel zu viel Mehrarbeit von Lehrern verlang (...)
Handwerker verlangen auch 85€ die Stunde. Also sagen wir ich verlange 100€ pro Stunde, weil ich Akademiker bin, ja das gestehe ich mir zu. Ich bin einfach höher qualifiziert, ich habe studiert. Sagen wir ich mach einen Sonderpreis von 400€. Jan(der Schüler der die Arbeit verpasst hatte)* wenn du so viel Geld hast, dann mach ich dir die Arbeit sofort (...).
Es kann keiner was für Krankheit und ich sehe nicht ein warum ich mir die Arbeit machen soll"
Besonders der letzte Satz entzieht sich völlig meinem Verständnis. Ich kann nur vermuten, dass er meint, dass er nicht darunter leiden müsste wenn wir krank sind. ABER VEDAMMT -dass kann man doch auch umdrehen. Wir können doch auch nichts dafür wenn wir krankt sind. Er ist immerhin unser Tutor. Er sollte doch wollen, dass wir gut auf das Abitur vorbereitet sind. Gerade in einem Unterricht in dem wir nie Texte schreiben (HALLO - ES IST DEUTSCH) sind die Arbeiten die einzige Rückmeldung die wir kriegen.

Aber es geht noch weiter... 

Maria*:

"Und wenn irgendwann keiner mehr zu den Arbeiten kommt?"  

Herr XY:

"Das ist doch nicht mein Problem. Leuts, ihr wollt das Abitur machen. Ihr wollt den höchsten Bildungsabschluss den Deutschland zu bieten hat. Ihr müsst liefern, ihr müsst euch reinhängen. Ich habe mein Abitur schon, ihr wollt es noch. Ich sehe nicht ein, warum ich mir (...) noch die Arbeit machen soll. Ich verstehe auch nicht warum ihr jetzt solche Gesichter macht" - Wir waren alle völlig sprachlos. Ich für meinen Teil habe noch nie so direkt ins Gesicht gesagt bekommen, wie egal ich einem Lehrer bin. (Nicht dass es nicht genug subtilere Methoden gäbe, das Schüler spüren zu lassen) - "Ich versteh auch nicht warum ihr jetzt solche Gesichter macht und so still sein. Leuts, dass ist eure Bringschuld - ihr müsst liefern - nicht ich. Ich sehe das generell nicht ein, Lehrer sind genauso Akademiker wie Ärzte und Anwälte und trotzdem ist der Beruf des Lehrers der am wenigsten angesehenste in der Hierarchie der akademischen Berufe. Lehrer sind sowieso immer die dummen. Einerseits wird verlangt, dass die Pädagogen, Vorbilder und womöglich noch Erzieher sind und trotzdem sind sie immer die Faulen und die Dummen. Und dann heißt es wieder: `Du bist Pädagoge du musst das machen` NEIN - NEIN ich muss gar nichts. Der neue Bildungsplan der ab 2016 greift ist sowieso total auf Eigenverantwortung ausgelegt. Ihr seid diejenigen die liefern müssen, ihr sei diejenigen die hier etwas erreichen wollt." 

Ich will nicht zu viel dazu sagen, dass würde den Rahmen eines Post sprengen. Nur so viel: Eigenverantwortung schön und gut - aber so wie er redet, könnte man auch einen Baumsumpf auf Lehrerpult stellen und den unterrichten lassen.  
Es ist einfach grausam, Schülern so eiskalt zu vermitteln wie egal sie einem sind. Es frustriert mich und macht mich gleichzeitig traurig.  

Ich mag Herr XY nicht besonders. Das hat neben den obigen Aussagen noch eine Vielzahl von Gründen - trotzdem tut er mir leid. Er ist das typische Beispiel eines Lehrers der so frustriert und verbittert ist, das er einfach nur seine Stunden absitzt und hin und wieder seinen Frust an seinen Schülern auslässt.  

In einem meiner nächsten Posts werde ich sicher nochmal genauer auf seine Aussagen eingehen.
 

* Ich habe natürlich keine echten Namen verwendet. Der Post basiert auf dem Mitschrieb der Aussagen meines Lehrers aus einer Deutschstunde am 11.12.2014